Freemason Rudyard Kipling

Wer vom Dschungel träumen will, braucht ein sicheres Zuhause

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John Lockwood Kipling and Rudyard Kipling

Rudyard Kipling mit seinem Vater John Lockwood Kipling

Erst in einer festen Heimstatt, fern von wirklichen Gefahren, können Dschungelzauber sich entfalten und Wildnisphantasien ihre Blüten treiben. So geschah es in den Bergen von Vermont. Dort baute sich der Autor und Freimaurer Rudyard Kipling bereits mit Mitte zwanzig ein Haus. Vorher hatte er mit dem Ozeandampfer bereits zweimal die Welt umrundet.

Noch jünger war Kipling, als er 1886 als Freimaurer in der Loge „Hope and Perseverance“ in Lahore initiiert wurde. Er war zu diesem Zeitpunkt noch keine 21 Jahre alt.  Der Distrikts-Großmeister erteilte hierfür eine Ausnahmegenehmigung. Nach Kiplings eigenen Aussagen bestand die Loge aus Brüdern mindestens vier verschiedener Glaubensrichtungen: Seine Aufnahme sei durch ein Mitglied von Brahmo Somaj (Hindu) erfolgt, seine Beförderung zum Gesellen durch einen Muslim und seine Erhebung zum Meister durch einen Engländer. Der Schneider der Loge sei ein indischer Jude gewesen.

Der 1865 in Indien geborene Brite Rudyard Kipling, der durch seine Romane „Das Dschungelbuch“ und „Kim“ Weltberühmtheit erlangte und 1907 den Nobelpreis für Literatur erhielt, studierte in London und bereiste dann als Korrespondent wieder den indischen Subkontinent. Schließlich lebte er mehrere Jahre in den Vereinigten Staaten. Seinen Mark-Master Grad erhielt er in der Mark-Loge „Fidelity“ am 12. April 1887 und seinen Royal Ark Mariners Grad am 17. April 1888 in der „Mt. Ararat Loge“ in Lahore.

Als Kipling 1888 ins indische Allahabad versetzt wurde, affiliierte er bei der dort ansässigen Loge „Independence with Philanthropy“. 1889 kehrte er nach England zurück und war 1927 Mitgründer der „Silent Cities Lodge“ No. 4848 und ebenfalls der „Author’s Lodge“ No. 3456.

Kipling musste schwere Schicksalsschläge hinnehmen. 1899 starb seine erstgeborene Tochter nach einer Atlantiküberfahrt an einer Lungenentzündung, 1915 fiel sein ältester Sohn John im Alter von 18 Jahren in der Schlacht von Loos. In tiefem Selbstzweifel und voller Schuldgefühl schrieb Kipling den Grabspruch für seinen Sohn:

„If any question why we died,
tell them, because our fathers lied“

Hatte er doch seinem Sohn erst ermöglicht, mit einem vorverlegten Geburtsdatum bei den Irish Guards den Militärdienst anzutreten.

Den Tod seines Sohnes thematisierte Kipling in dem Gedicht My boy Jack, das 1937 als Grundlage für ein gleichnamiges Theaterstück diente und Vorlage für den Film „My boy Jack“ war. Quelle: Youtube (Datenschutzerklärung)

In der berühmten „Canongate Kilwinning Lodge“ No. 2 in Edinburgh wurde er nach alter Tradition zum Poet Laureate ernannt; ein Amt, das zuvor Robert Burns in ähnlicher Weise innehatte.

Bruder Rudyard Kipling starb im Alter von 71 Jahren in London. Noch heute sind Gedichtzeilen und Formulierungen von von ihm im Englischen als Redensarten gebräuchlich wie sonst nur von Shakespeare oder aus der Bibel.

Eine der wenigen Original-Aufnahmen von Rudyard Kipling. Quelle: Youtube (Datenschutzerklärung)

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Möglicherweise gelten diese von Rudyard Kipling verfassten Verse im Verständnis vieler nicht als der Gipfel der Dichtkunst und doch demonstrieren sie gerade aufgrund der einfach gewählten Worte in ganz besonderer Weise ein liebevolles Bekenntnis zur Freimaurerei.

Kipling war bereits mit 20 Jahren in die Loge „Hope und Perseverance“ in Lahore aufgenommen worden und eben dieser, seiner Mutterloge, ist dieses Gedicht gewidmet.

Es ist nach freimaurerischer Tradition in 3 x 3 Strophen angelegt und gibt auf anschauliche Weise Einblick in das Logenleben zur britischen Kolonialzeit. Im Gegensatz etwa zu Goethes idealisierenden und ästhetisierenden Freimaurergedichten bleibt Kiplings Sprache naturalistisch und „unverblümt“. Eben dieses einfache Beschreiben ehrlicher Empfindungen und freimaurerischer Ideale wie brüderlicher Umgang in Gleichheit, ungeachtet der Hautfarbe oder des beruflichen Status, macht die ungebrochene Größe dieses Gedichtes aus.

Klicken Sie auf das Bild und laden Sie sich kostenlos das Gedicht als druckfähige PDF-Datei herunter.

Meine Mutterloge von Rudyard Kipling

Kommentare 2

  1. Ausgezeichneter Artikel, der Kipling authentisch beschreibt und einiges an historischem Material an einer Stelle versammelt. Vieles war mir bekannt, einiges neu. Inspirierend, ein maurerisches Leben zu leben, trotz des vielen „Lärms der Welt“. Danke

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