Axel Springer - Ein Freimaurer

Persönliche Erinnerungen an einen Brückenbauer

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Von Rolf Appel

Axel Springer - Ein Freimaurer

Axel Springer – Ein Freimaurer • Foto: Axel Springer Archiv

Es war am 15. November 1945, als ich zum Information Control Service of British Government in Hamburg kam. Ich hatte einen Antrag auf Zulassung als Buchverleger gestellt. Neben mir in dem recht vollen Raum saß ein rund 10 Jahre älterer Herr, und wir unterhielten uns. Die vor uns an der Reihe waren, kamen alle mit enttäuschten Gesichtern aus dem Amtszimmer des Major Barnetson. Dann kam mein Nebenmann an die Reihe und er meinte: „Ich warte nachher, bis Sie herauskommen.“ Es dauerte eine lange Zeit, dann war ich endlich an der Reihe. Der Major kam mir mit den Worten entgegen: „Oh, you are very young for a publisher!“ und überreichte mir meine Lizenz als Buchverleger.

Draußen wartete jener Herr, der vor mir die Lizenz für seinen Verlag Hammerich & Lesser erhalten hatte. In einem nahe gelegenen Lokal setzten wir uns und plauderten. Ich erfuhr, dass mein Partner Axel Springer hieß, der den Verlag seines Vaters fortführen wollte. In der Freude über unseren Erfolg kamen wir uns freundschaftlich nahe. Es war dann Ende der fünfziger Jahre, dass ich jenem Verleger wieder begegnete, er war nun Bruder Springer für mich. Zuvor hatten wir uns immer wieder im Verleger-Ausschuss des Norddeutschen Buchhändler- und Verlegerverbandes getroffen, wo wir beide stets nebeneinander saßen, denn wir waren die jüngsten. Den Vorsitz führte Ernst Rowohlt, der aber keine Lizenz von der Militärbehörde bekommen hatte.

Axel Springer war – zusammen mit dem stellv. Präsidenten des Weltärztebundes Dr. Erich Fromm – in Berlin zum Freimaurer aufgenommen worden. Meister vom Stuhl war der Großmeister Theodor Vogel. Die anderen Logenbeamten waren die späteren Großmeister Richard Müller-Börner und Willi Schulz sowie der MvSt der Loge „Absalom zu den drei Nesseln“. Das berufliche Engagement hinderte den Bruder Springer an einer regelmäßigen Teilnahme an den rituellen Arbeiten. Aber stets hat er sich handschriftlich entschuldigt. Die von der Loge monatlich durchgeführten Kolloquien fanden in der Bibliothek Bruder Springers am Falkensteiner Ufer statt. Auch ich nahm daran teil und war begeistert von dem Niveau und dem zu Tage tretenden Verantwortungsbewusstsein. Es nahmen neben anderen daran teil: der damalige Bundesfinanzminister, Rolf Dahlgrün, der Chef der Deutschen Presse Agentur, Br. Fritz Sänger, der damals (zusammen mit dem Freimaurer Carlo Schmid) das sogenannte „Godesberger Programm“ für die SPD entwarf, Br. Paul Sethe (F.A.Z., später „Die Welt“), der Hamburger Bausenator Peter- Heinz Müller-Link u.a.

Es war ein Zufall, dass ich in Hamburg mit dem Außenminister des Staates Israel zusammentraf. Er gehörte einer Loge an und wollte Sponsorengelder für die zu erbauende Universität in Ramallah sammeln. Das trug er mir vor und fragte, ob ich wohl Spender kenne. Ohne Voranmeldung besuchten wir Bruder Axel Springer im Chefzimmer seines Verlagsgebäudes. Nach einem einführenden Gespräch zog Br. Axel Springer einen Bankscheck heraus, zeichnete einen beachtlichen Betrag und überreichte ihn dem israelischen Bruder.

Auch wenn Axel Springer Zeit seines Lebens eine nicht immer verstandene Persönlichkeit gewesen ist – mir wird er als Beispiel eines wahren Freimaurers in Erinnerung bleiben.

Weitere Informationen zu Axel Springer:
de.wikipedia.org/wiki/Axel_Springer
www.axelspringer.de

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