Love is the law

Love is the law

Winkelmaß 5 Comments

Ein Brief von Frater muTabor

Friede, Toleranz, Wahrheit: Grüße aus allen Punkten des Dreiecks;
Respekt dem Orden.
An alle, die es betrifft: Gruß und Wohlergehen.

9. Oktober 2016

Carae Sorores et Fratres,

Do what thou wilt shall be the whole of the law.

Finsternis umschließt das wenige verbliebene Licht. Die Herzen der Menschen sind erfüllt von Angst, ihre Seelen verbittert, ihr Geist getrieben von der Suche nach „Lösungen“. Auch viele unserer Schwestern und Brüder – welchem Glauben, welcher Religion oder welchem ehrwürdigen Orden sie auch immer angehören – sind von dieser Unruhe und Furcht betroffen.

Wieder einmal – wie so oft seit dem Bestehen der Menschheit – sind falsche Propheten zahlreich zur Stelle, um Lüge und Halbwahrheit, Hass und Argwohn auszustreuen, gleich einer verderbenden Saat. Doch bedenkt, Schwestern und Brüder: Aus Gleichem wird Gleiches erwachsen!

Darum lasst uns nicht mit denselben Waffen kämpfen, wie es jene tun, die nichts begriffen haben. Lasst uns unsere wahrhaftigen Werte nicht leichtfertig aufgeben, um eines vermeintlichen schnellen Erfolges willen. Lenkt Euren Geist nicht ab durch den Lärm der Welt, geht standhaft und unbeirrt Euren Weg. Kämpft als Schwestern und Brüder.

Dies sind unsere Werte: Zuallererst stehen Wille und Liebe – uneingeschränkt und unhinterfragt. Aus ihnen entspringen Erkenntnis, Freiheit im Denken und im Handeln, zugleich aber auch Toleranz und die Fähigkeit zu Verzeihen. Wer mit Liebe erfüllt ist, wird seinen Willen tun und wer seinen wahren Willen tut, wird von Liebe erfüllt sein. Keines von beiden kann für sich sein und beide sind eines.

Schaut und erinnert Euch, Schwestern und Brüder, was jene sagen, die nach irdischer Zeitvorstellung vor uns waren, denn sie sind auch heute und immer an unserer Seite, so wie wir an ihrer Seite sind.

„Wenn auf Erden die Liebe herrschte, wären alle Gesetze entbehrlich.“ lautet ein dem Aristoteles zugeschriebenes Zitat. Dies gilt wohl für die irdischen Gesetze doch auch für die unzähligen Gesetze der Glaubenslehren. Ein Gesetz aber ist nichts wert, wenn Liebe fehlt und die Liebe selbst ist das einzige Gesetz.

Lasst auch Harmonie in Eurem Geist erklingen, wie sie das „Hohelied der Liebe“[1] uns lehrt und die Dissonanzen des Zweifels werden rasch verstummen. Auch vergeudet keine Kraft durch die vergebliche Suche einem geeigneten Ort für Euren Glauben, denn jeder Ort ist der richtige, wenn Liebe in dem ist, was ihr tut.

Der rechte Ort für Eure Gebete und Anrufungen und nicht zuletzt für Euren Dank ist in Euch selbst. Das, was ihr hören sollt, vernehmt ihr in Eurem Inneren und das, was ihr sucht, ist in Euch selbst zu finden. Das, was ihr zu sagen habt, wird in Eurem inneren gehört werden und das, was ihr schützend verbergen wollt, ist in Eurem Inneren geschützt. Das Geheimnis ist dort, wo ihr seid und ihr seid in dem Geheimnis.

Seid froh, dankerfüllt und genießt jede Minute! Erinnert Euch, dass es heißt: Geteilt um der Liebe willen, für die Möglichkeit der Vereinigung – vereint Euch in Liebe, wann, wo und mit wem ihr wollt. Und weiter: Es gibt kein Band, das die Getrennten zu vereinen vermag, außer der Liebe: alles andere ist ein Fluch.

Die Waffe im Kampf gegen die Finsternis ist die Liebe. Auch ist nicht das „Böse“ ihr Gegenstück sondern vielmehr die Angst. Liebe und Angst sind unversöhnlich, das Böse hingegen ist nichts als ein schlaffer Ballon, den der Mensch erst aufblasen muss, damit er Gestalt annimmt.

Auch, Schwestern und Brüder, erinnert Euch in jenen Augenblicken der Angst daran, dass immer für Euch gesorgt ist. Am meisten ist dann für Euch gesorgt, wenn ihr augenscheinlich völlig hilflos seid, wie der wehrlose Embryo geschützt und ernährt im Leib der Mutter ist.

Verliert nicht die Zuversicht!

Love is the law, love under will.

Frater muTabor

[1]  Der erste Brief an die Korinther, Kapitel 13
  1. Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke.
  2. Und wenn ich prophetisch reden könnte und alle Geheimnisse wüsste und alle Erkenntnis hätte; wenn ich alle Glaubenskraft besäße und Berge damit versetzen könnte, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich nichts.
  3. Und wenn ich meine ganze Habe verschenkte und wenn ich meinen Leib dem Feuer übergäbe, hätte aber die Liebe nicht, nützte es mir nichts.
  4. Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf.
  5. Sie handelt nicht ungehörig, sucht nicht ihren Vorteil, lässt sich nicht zum Zorn reizen, trägt das Böse nicht nach.
  6. Sie freut sich nicht über das Unrecht, sondern freut sich an der Wahrheit.
  7. Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand.
  8. Die Liebe hört niemals auf. Prophetisches Reden hat ein Ende, Zungenrede verstummt, Erkenntnis vergeht.
  9. Denn Stückwerk ist unser Erkennen, Stückwerk unser prophetisches Reden;
  10. wenn aber das Vollendete kommt, vergeht alles Stückwerk.
  11. Als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind, dachte wie ein Kind und urteilte wie ein Kind. Als ich ein Mann wurde, legte ich ab, was Kind an mir war.
  12. Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich unvollkommen, dann aber werde ich durch und durch erkennen, so wie ich auch durch und durch erkannt worden bin.
  13. Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am größten unter ihnen ist die Liebe.
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Kommentare 5

  1. Huch, seid Ihr jetzt Thelemisten geworden – warum dann die christlichen Einlassungen? Ich selbst bin Pantheistin, und eher natur-religiös. Daher ist mir Crowley ein bisschen zu zeremoniell und Cosplay brauch ich auch nicht. Obwohl er in vielen spirituellen Dingen recht hatte.
    Rumi und die Sufi – sie wurden und werden im dogmatischen Islam verfolgt.
    Die liberalen Alawiten auch, die werden jetzt in Syrien von den sogenannten Rebellen, ALLESAMT Islamisten, umgebracht. welche die USA unterstützen. Assad, der selbst Alawit ist, wird als Inbegriff des Bösen gehandelt und Syrien, das relativ modern und säkular war, vernichtet. Uns schickt man alle Islamisten, die die Region aufzubieten hat, als Flüchtlinge, damit Saudi Arabien hier seine salafistischen Pflänzchen giessen kann.
    Liebt mal das!

    From a distance, there is harmony … Bette Midler

    1. Liebe Claudia, der Winkelmaß-Blog ist nicht einer einzelnen Überzeugung verpflichtet, sondern allen Überzeugungen, die die grundsätzlichen Werte der Freimaurerei anerkennen. Das trifft auf Thelema zu, aber auch auf (richtig verstandenes) Christentum und selbst auch auf jene Überzeugungen des Islam, die NICHT Hass, Intoleranz oder Gewalt propagieren. So wie der Sufismus. Das war ja auch der Grund für diesen Beitrag inklusive Rumi-Gedichte.

      Zu deinem letzten Absatz („Liebt mal das!“) : Natürlich nicht! — Jedoch: Sollen wir unsere Werte aufgeben, weil andere sie bekämpfen? Zuerst einmal wäre es sicher gut, wenn wir uns alle selbst auf unsere GEMEINSAMEN Werte besinnen, dass gilt gleichermaßen für „Rechte“ wie „Linke“ – falls diese Kategorien überhaupt noch einen Sinn haben.

      Was Deine Kurzeinschätzung der politischen Situation in Syrien betrifft, kann und will ich nichts kommentieren, denn zum einen – ich gebe es frei heraus zu – bin ich nicht wirklich tiefgehend mit der dortigen Lage vertraut, zum anderen scheinen mir Formulierungen wie „uns schickt man die Islamisten,,“ doch sehr oberflächlich und polemisch. Wer schickt sie denn? Die Saudis oder die Amerikaner? Oder Assad selbst? Oder ist es nicht vielmehr so, dass sich in der Masse der Flüchtlinge auch der eine oder andere Islamist einschleicht? Ich weiß es nicht. Wirklich.
      Trotz allem Danke für Deinen Kommentar.

      1. Das Gros der Flüchtlinge von 2015 kam bereits aus Lagern und nicht aus dem Kriegsgebiet direkt, sie wurden teilweise regelrecht angeworben. Saudi Arabien hat selbstverständlich ein Interesse Menschen in diesen Lagern loszuwerden, damt sie nicht um Solidarität bitten. Sie wollen keine Irakis oder Syrer aufnehmen, da sie momentan damit beschäftigt sind, ihre vielen „Gastarbeiter“ loszuwerden. Flüchtlingslager vor der Haustür sind ein sozialer und politischer Zündstoff, den sie lieber den Ländern aufbürden, in denen sie ihre Petro-Dollars angelegt haben. Hier haben sie ein Druckmittel, und salafistische Umtriebe finanzieren sie gleich im grossen Stil mit.
        Die Amerikaner haben nur das Interesse, Putins Stützpunkt im Mittelmeer als Revanche für die Krim an sich zu bringen. Darüber hinaus haben sie es fertiggebracht alle einigermassen säkularen moslemischen Staaten zu destabilisieren und religiöse Terrorherrschaft zu etablieren. Pakistan, Afghanisten, Irak – jetzt Syrien. UNd sie unterstützen Saudi-Arabien, den Gipfel des Wahabismus – klar die heiligen Stätten bringen den Scheichs jede Mege Pilger, und Geld, da muss man schon den Verteidiger des wahren Glaubens mimen. Vor allem, weil das Öl versiegt. Wisst Ihr was intensive Ölförderung mit der Seewasser-Druckmethode bedeutet – genau dieses. Die ganze Region – ein einziges Pulverfass.
        Da hilft weder Licht noch Liebe, höchtens im Sinne Goethes – der meinte damit Verstand.
        Natürlich schätze ich Rumi, auch den ollen Aleister und viele andere Weisheitslehrer der Menschheit. Unsere Werte – Freiheit und Demokratie: Diese werden durch ein Überrollen mit Zuwanderern, die atavistische und anachronistische Anschauungen haben wohl nicht gefördert. Da heisst es aufgepasst: Zuviel Liebe macht blind, oder wie ,meine Oma sagte: Zu gut ist schon halb liederlich.

  2. Sr:. Reuters Darstellung erscheint mir zu oberflächlich, da sie nur in eine bestimmte Richtung geht. Die Gesamtproblematik ist jedoch weitaus komplexer!
    Was stimmt: Religion wird im gesamten Nahost-Konflikt mit all seinen Facetten wieder einmal für schnöde Kapital- und Machtinteressen misbraucht.
    Was wir alle daher brauchen, ist mehr Sozialismus – und zwar im eigentlichen, ursprünglichen Wortsinn, d. h.: „Der Gemeinschaft verpflichtet“ und nicht in dem von Machtbesessenen pervertierten Sinn der sog. „soziaistischen“ Staaten und Gruppierungen!
    Gemeinschaft besteht immer aus allen Menschen inkl. deren div. Konfessionen und allen anderen individuellen Eigenheiten.

    Noch zwei kleine Anmerkungen:
    1. Alawiten sind nicht mit Aleviten zu verwechseln: Ein kleiner Unterschied im Wort, aber ein sehr bedeutender in der Religion!
    2. Pantheismus steht nicht im Gegensatz zu Rumi!

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