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In welchem Verhältnis stehen Freimaurerei und OTO?

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von Frater muTabor

In welchem Verhältnis stehen Freimaurerei und OTO?

In regelmäßigen Abständen entflammen in Freimaurerkreisen Diskussionen um die Bedeutung des OTO (Ordo Templi Orientis – deutsch: Orientalischer Templerorden) und dessen Verhältnis zur „offiziellen“ Freimaurerei. Was hat es also mit dem OTO auf sich?

Beginnen wir am Anfang…

Die Wurzeln des OTO liegen in einer freimaurerischen Lehrart, dem Memphis-Misraïm-Ritus, nach dessen Vorbild die deutschen Freimaurer bzw. Okkultisten Carl Kellner, Heinrich Klein, Franz Hartmann und Theodor Reuß den Orden im Jahr 1901 ins Leben riefen. Die schillernste Persönlichkeit – Aleister Crowley – trat erst später dem Orden bei, überarbeitete dann dessen Ritualistik und übernahm schließlich die Leitung.

Die insbesondere für Freimaurer interessante Frage, inwieweit es sich beim OTO um eine irreguläre und damit zu meidende Organisation handelt, kann einfach beantwortet werden: Zwar beruft der Orden sich auch heute noch auf die ursprünglichen freimaurerischen Wurzeln (Zitat: „Der O.T.O. lehnt sich dabei an die traditionellen Ideale der Freimaurerei an […]“ – oto.de) , jedoch handelt es sich um eine gänzlich eigenständige Organisation, die weder den Namen Freimaurer benutzt, noch in den Ritualen freimaurerische Symbolik verwendet. Die „Schnittmengen“ beider Organisationen sind zum Einen das ethisch-moralische Wertegerüst: Brüderlichkeit, Freiheit, Liebe, Toleranz, Erkentnissteben und Bildung usw., zum Anderen die zentrale Botschaft des An-sich-Arbeitens und der persönlichen Weiter- und Höherentwicklung.
Eine Mitgliedschaft in einer Freimaurerloge und einer Körperschaft des OTO ist damit nicht nur formal legitim, sondern auch den Inhalten nach harmonisch.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Die Gradstruktur (Initiationsstufen) des OTO ähnelt der aus der Freimaurerei und anderen Intiationssystemen bekannten Struktur. Eine Besonderheit besteht in der Tatsache, dass es vor dem eigentlichen Ersten Grad noch einen sogenannten Null-Grad oder auch Minerval-Grad gibt. Diese Vorstufe zur völligen Mitgliedschaft im Orden hat den Sinn, dem Neophyten die Gelegenheit zu geben, sich mit der Ritualistik vertraut zu machen und für sich selbst herauszufinden, ob diese seinem Wesen und seinem Suchen entspricht.

Eine zweite Besonderheit ist die, regelmäßig in OTO-Körperschaften durchgeführte gnostische Messe. Der Besuch der gnostischen Messe steht auf persönliche Einladung auch Nicht-Mitgliedern offen. Ein wenig ist diese daher  – wenngleich inhaltlich durchaus verschieden – mit den sogenannten  „weißen Arbeiten“ in der Freimaurerei vergleichbar, zu denen ja ebenfalls Nichtfreimaurer zugelassen werden.

Die Offenlegung der rituellen Inhalte sind im OTO ebenso wie in der Freimaurerei tabu. Allgemein kann jedoch gesagt werden, dass die zentralen Aussagen der aufsteigenden Grade miteinander kompatibel, oder, wie bereits eingangs angesprochen, ergänzend sind. So ist z.B. die Aufforderung des freimaurerischen Lehrlingsgrades „Erkenne dich selbst!“ eine Referenz zu der zentralen Aussage des OTO „Do what thou wilt“, da in diesem Lehrsystem der wahre oder auch universelle „Wille“ (= Thelema) im Mittelpunkt steht. Etwas plakativ könnte man auch sagen, dass die freimaurerische Ritualistik eher „kopflastig“ ist, während die Rituale des OTO mehr den „Bauch“ ansprechen.

Drogen und Sex?

Seit Beginn haftet dem OTO ein gewisser Nimbus des Verruchten an – eine Tatsache, an der nicht zuletzt Crowley selbst einen gehörigen Anteil hat. Drogenkonsum und Sexualmagie sind zwei Schlagworte, die immer wieder im Zusammenhang mit dem OTO auftauchen. Tatsächlich aber ist es so, dass die Rituale des OTO weder obszöne oder gar kriminelle Sexualpraktiken enthalten, noch in sonst irgend einer Weise anstößig sind.

Was den Konsum von Drogen betrifft, so ist dieser jedem Mitglied freigestellt, jedoch ist der Besuch jedweder offizieller OTO-Veranstaltung unter Drogeneinfluss verboten; darüber hinaus verpflichten sich die Mitglieder, niemals Drogen oder andere Substanzen in solchen Mengen zu sich zu nehmen, als dass ihr freier Wille eingeschränkt wird.

„The wickest man of the world“

Ob Crowley in erster Linie Künstler, Magier, Forscher, Spion oder einfach nur ein Bürgerschreck gewesen ist, muss jeder selbst für sich entscheiden. Unstrittig hingegen sind seine profunden Kenntnisse über die Freimaurerei.

Wer seine Texte ohne Vorurteile studiert, wird auch als langjähriger als Freimaurer viel Neues entdecken können und gerade über Symbolik und historische Hintergründe „seiner“ Rituale neue Einsichten gewinnen. Ein Blick über den eigenen Tellerrand lohnt sich daher allemal.

Das Verhältnis von Freimaurerei und OTO heute

In Ländern wie den USA, Kanada oder Großbritannien existieren Freimaurerlogen und OTO-Logen selbstverständlich nebeneinander. Gemeinsam Nutzung von Räumen und Doppelmitgliedschaften sind hier kein Problem. Zahlreiche altgediente Freimaurer sind auch bekennende OTO -Mitglieder.

In Deutschland hingegen herrschen vielerorts noch Unkenntnis und Unverständnis über das Tun des jeweils anderen, was allerdings möglicherweise auch mit den vergleichbar geringen Mitgliederzahlen zu tun hat.

Der OTO als Verein

Tatsache ist, dass der OTO ebenso wenig als Sekte anzusehen ist, wie die Freimaurerei, was die erstgenannte Organisation übrigens schon in den 80er Jahren gerichtlich hat feststellen lassen. In den USA besitzt die Organisation den Status einer offiziellen Glaubensgemeinschaft. Sowohl die Freimaurerlogen, als auch die OTO-Körperschaften besitzen in Deutschland den Status von eingetragenen Vereinen.

Auch ist es in beiden Organisationen jederzeit möglich, seinen Austritt zu erklären oder einfach nicht mehr bei den Treffen zu erscheinen. Ebenso ist es möglich, nach einer „Ruhezeit“ wieder aktiv zu werden, insofern keine z.B. rufschädigenden Vergehen, interne Verfehlungen oder Beitragsschulden bestehen. Anders ausgedrückt bestehen in Hinblick auf die Mitgliedschaft in beiden Organisationen dieselben Regeln, wie in jedem beliebigen anderen Verein.

Fazit

Die Mitgliedschaft in einer Freimaurerloge ist, genauso, wie die Mitgliedschaft im OTO, bei den Druiden, den Odd Fellows, rosenkreuzerischen oder anderen artverwandten Organisationen letztendlich eine Entscheidung des persönlichen Geschmacks. Wer vordergründig die rational-aufklärerische Annäherung sucht sollte daher eine Freimaurerloge frequentieren, wer hingegen das spirituelle Empfinden in den Vordergrund stellen möchte ist wahrscheinlich in einer OTO-Loge besser aufgehoben.

Es besteht weder die Notwendigkeit, die Freimaurerei und den Ordo Templi Orientis zu einer Organisation zusammen zu führen, noch sich gegenseitig zu diskreditieren. Ein respektvoller Umgang und gegenseitige Achtung hingehen können nur positive Früchte tragen. So seien Freimaurer daran erinnert, dass es im Ritual heißt, dass ein Freimaurer sich von der Sklaverei der Vorurteile befreite Gedanken auszeichnen soll.

Hierzu passt wiederum auch das abschließende Zitat von Aleister Crowley:

„In wahrer Religion gibt es keine Sekte, deshalb gib darauf acht, dass Du den Namen, unter dem ein Anderer seinen Gott kennt, nicht lästerst; denn wenn Du dies mit Jupiter tust, wirst Du יהוה lästern, und wenn Du es mit Osiris tust, יהשוה. Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan!“ (LIBER LIBRAE)

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