Winkelmaß Magazin - Freimaurer Schurz

Was bedeutet der Freimaurer-Schurz?

Winkelmaß 4 Comments

von Br. Max Ernst

Um an einer freimaurerischen Arbeit teilzunehmen – sei es im Grade des Lehrlings, des Gesellen oder des Meisters – legen Freimaurer ein besonderes Gewand an. Damit sind nicht der schwarze Anzug oder Smoking, der weißen Binder oder die weiße Schleife gemeint, die getragen werden als Zeichen der Gleichheit unter den Brüdern – und, um der Arbeit den erwünschten würdigen und feierlichen Rahmen zu geben.

Doch niemand ist aus der Loge ausgeschlossen, weil er keinen Anzug trägt oder keinen Smoking. In vielen Ländern wird diese Kleiderordnung keineswegs so streng genommen wie in Deutschland. Alles andere widerspräche dem Geist der Freimaurerei. Auch bei einem Suchenden wird nicht zuerst auf die Kleider geachtet, sondern darauf, ob er ein freier Mann von gutem Ruf ist. Die Arbeit eines Mannes wird nicht deshalb schlechter, weil er weniger gut gebügelte Hosen trägt.

Freimaurer George Washington mit Schurz

Freimaurer George Washington mit Schurz

Es soll auch nicht die Rede sein vom Symbol der weißen Handschuhe, die früher ein Beitrag des Lehrlings an die Loge waren und heute von der Loge dem neuaufgenommenen Lehrling überreicht werden. Als Zeichen dafür, dass seine Hände bei der Arbeit am rauen Stein rein bleiben sollen. Und das zweite Paar wird als Gruß an die von der Arbeit ausgeschlossenen Schwestern sein.

Es sei die Rede von der eigentlichen Bekleidung des Freimaurers: Dem Schurz. Er ist das unverzichtbare Kleidungsstück und wird nur bei Tempelarbeiten getragen. In vielen Ländern ist er weiß, bei uns trägt der Lehrling einen weißen Schurz mit hochstehender dreieckiger Klappe. Der Geselle trägt die Klappe nach unten und der Meister bekommt eine blaue Einfassung an seinem Schurz.

Das Dreieck ist ein wichtiges Symbol, als Zeichen des Allmächtigen Baumeisters aller Welten. Die Ecken symbolisieren die drei Begriffe Weisheit, Schönheit und Stärke.

Es gibt in den verschiedenen Ritualen und Systemen bis hin zu den weiterführenden Graden die verschiedensten Abänderungen, Einfassungen und Verzierungen des Schurzes. Er ist somit auch zu einer Unterscheidung der einzelnen Grade geworden. Und für langjährige Mitgliedschaft werden Ehrenschurze mit silbernen oder goldenen Fransen überreicht.

Aber immer ist es eben der Schurz, der getragen wird.

Das Material war früher zumeist Leder, Lammleder. Anfangs weder eingefasst noch gefüttert. Um 1760, so schreibt das Internationale Freimaurer-Lexikon durfte in der englischen Loge „Gans und Bratrost“ nur der Meister einen seidengefütterten Schurz tragen, die übrigen Mitglieder nur leinengefütterte.

Sehr beliebt wurden später gestickte Schurze mit freimaurerischen Motiven, die immer vielfältiger und bunter wurden. Das veranlasste zu verschiedenen Zeiten auch Ritualistiker, den Schurz wieder auf sein eigentliches Aussehen zurückzuführen. Denn aus dem ursprünglichen Schurz wurde ein Schmuckgegenstand. Man muss aber wissen, was der Schurz für die operativen Steinmetzen der früheren Jahrhunderte und auch die Handwerker unserer Tage eigentlich bedeutete und noch bedeutet: Er war und ist ein Schutz vor Steinsplittern und Hammerschlägen. Und damit auch ein Werkzeug der Maurer und Steinmetzen. Freilich länger und größer als der Schurz, den wir symbolisch tragen.

Wovor soll er aber nun noch schützen, bei der spekulativen Arbeit im Tempel? Der symbolische Schurz soll die Brüder daran erinnern, dass sie auch bei der Bearbeitung des rauen Steines und beim Bau des Tempels der Humanität durchaus nicht gefeit sind vor Fehlschlägen, vor Verletzungen und Absplitterungen.

Sie sollen daran erinnert werden, dass die Arbeit, auch wenn sie heute nicht körperlich vollbracht wird, eine schwere Arbeit ist, die sorgfältig ausgeführt werden muss, damit der Bau gelingt. Er versinnbildlicht die harte Arbeit am rauen Stein, aber auch die Körperschaft, die Vereinigung in einer Bruderschaft, die sich nicht nur geistig vollzieht, sondern auch auf körperlicher Ebene, wenn sich die Brüder begrüßen, sich für ein gutes Werk lobend auf die Schulter klopfen oder Hand in Hand in der Kette stehen.

[embedyt] http://www.youtube.com/watch?v=_oiEKKitMz8[/embedyt] Quelle: Masons of California

Betrachten wir den Begriff Schurz etymologisch, kommen wir auf das mittelhochdeutsche schurz für „kurzes Kleidungsstück“, das sich wiederum ableiten lässt vom althochdeutschen scurz für „kurz abgeschnitten“. Der Schurz ist eines der ältesten und einfachsten aber sinnfälligsten Kleidungsstücke. Die alten Ägypter trugen Schurze aus Leder oder Leinen, in der alten arabischen und indischen Welt wird von ihm berichtet und wir sehen auf alten Darstellungen, dass selbst Könige und Pharaonen ihre Oberkörper nicht bedeckten, sondern lediglich ein Tuch um die Lenden geschlungen hatten. In der Bibel findet sich bei Johannes der Schurz als Kleidungsstück für die Juden zur Zeit Jesu, damals vor allem von den Dienern getragen. Bei den Griechen und Römern diente er als praktisches Gewand bei der Feldarbeit.

Und so wird in dem alten englischen Ritual der Freimaurer das Schurzfell so beschrieben: „Es ist ein Zeichen der Unschuld, älter als das Goldene Vlies und der Römische Adler, ehrenvoller als Sterne und Hosenband oder irgendein anderer Orden unter der Sonne, den Ihr jetzt oder künftig erhalten könnt!“

Freimaurer Schurz Masonic ArtDies klingt sehr pathetisch und ist es sicherlich auch. Aber man muss bedenken, dass der Schurz nicht etwa ein Zeichen der Abgrenzung ist, sondern ein Zeichen der Ehre. Ihn zu tragen, bedeutet, sich bewusst zu sein, alle Arbeiten mit der entsprechenden Perfektion auszuführen. Gerade in den Tempelarbeiten, die für Freimaurer eine innere Einkehr, ein Haltmachen vor den Unbilden des Alltags bedeuten, ist diese Perfektion angebracht und notwendig. Aus Respekt vor den Brüdern, aus Respekt vor dem Ritual und aus Respekt vor allen, die in den ewigen Osten vorausgegangen sind.

Der Schurz ist demnach kein Zeichen der Abgrenzung, sondern ein würdevolles Symbol des Zusammenhalts. Und so wird nicht umsonst bei Menschen, die zwar nicht dem Bund angehören, aber die durchaus im freimaurerischen Sinne handeln und denken, von „Maurern ohne Schurz“ gesprochen. Es heißt nicht „Maurer ohne Handschuh“ oder „Maurer ohne Bijou“ – sondern ganz bewusst „Maurer ohne Schurz“, weil die ehrenvollste Angelegenheit ist, ihn zu tragen.

Sie können diese Zeichnung hier als PDF für Ihre Arbeit downloaden

Kommentare 4

  1. Da wir ja inzwischen soweit sind, dass auch Freimaurerinnen den Schurz als ein solches Symbol tragen, wäre es schön, dies nicht nur auf Brüder zu begrenzen! Auch Frauen sind Menschen mit den gleichen Ansprüchen und Fähigkeiten auf die Arbeit an ihrem rauen Stein und in der Freimaurergemeinschaft.

    1. Ich stimme dem vollkommen zu, liebe Uta. Da der Text aber nicht von mir ist, war es nicht an mir darin zu korrigieren. Gleichzeitig weiß ich, dass Frauen im allgemeinen zu großer Toleranz fähig sind und mit einem Schmunzeln darüber hinweg sehen werden. :-*

  2. Ein bisschen banal – und dazu historisch verfehlt – was hier zum Schurz gesagt wird. Und „In der Bibel findet sich bei Johannes der Schurz als Kleidungsstück für die Juden zur Zeit Jesu“ ist einfach nur abgrundtiefer Unsinn!
    Freimaurerei sollte sich nicht auf diese Weise der Lächerlichkeit preisgeben, indem sie dilettantisch vermeintlich Informationen ohne tiefere Einsicht in die historischen Fakten zusammenkleistert, nur weil sich dergleichen schon in freimaurerischen oder sonstigen Büchern des 19. Jahrhunderts findet und seitdem leider immer wieder unkritisch reproduziert wird! Wir leben im 21. Jahrhundert, und auch unsere Kenntnisse über Ägypter etc haben zugenommen und haben sich gewandelt. Freimaurer sollten davon Kenntnis nehmen, oder über Ägypter, Juden etc schweigen!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.